Mario Filzi
 
     
  Also zuerst einmal: Ich heiße tatsächlich Mario Filzi, es ist tatsächlich kein Künstlername!
Was für Berufschancen hat man auch schon mit so einem Namen? Außer Pizza-Bäcker bleibt da doch nur mehr Jongleur zur Auswahl. Allerdings brauchte ich ein knappes Viertel-Jahrhundert um auf diesen glorreichen Gedanken zu stoßen.

Aber bevor ich auf das Thema "Wie bin ich eigentlich zum Jonglieren gekommen?" weiter eingehe, sei für alle an nüchternen Tatsachen nicht achtlos vorbeigehenden Mitmenschen ein stichwortartiger Lebenslauf vorangestellt:

Geboren: In Wien und zwar am 24.5.1961
(Für astrologisch Interessierte bin ich gerne bereit, gegen die Einmalzahlung von läppischen Eur 100,-, auch die exakte Uhrzeit anzugeben.)

Familienstand: Tja leider, meine vielen weiblichen Fans vergießen nächtlich Tränen, bin ich doch tatsächlich in festen Händen. Und dann bin ich auch noch nervenschwacher Vater von 5 (in Worten: fünf) Kindern. Nando ist Wiener (Jahrgang 88), Fabio ist Niederösterreicher (Jahrgang 91), Lisa (Jahrgang 95), Maya (Jahrgang 02) und Katharina (Jahrgang 04) sind Burgenländerinnen. Mein ursprünglicher Plan, neun Kinder aus neun Bundesländern mein Eigen zu nennen, scheiterte am vehementen Widerstand meiner Gattin noch öfters umzuziehen.

Ausbildung: Die Anzahl der abgebrochenen Studien übersteigt bei weitem die der erfolgreich abgelegten Prüfungen. Nach der Matura habe ich aber jede Menge Berufserfahrung sammeln dürfen/können/müssen.

Berufe: Botenfahrer, Ordner, Hilfs-Waldvermesser, Reisender, Statist, Revuegruppenmitglied des berühmten Kasseler Staatstheaters, Rockbassist einer Band, deren Name mir leider entfallen ist, sowie Holzfäller in Südfrankreich. Bei all diesen Karrieresprüngen entwickelte ich ungeahnte kaufmännische Fähigkeiten, die heute außer meinem Steuerberater eigentlich niemand mehr ernsthaft bestreitet.

Am 1.4.90 gründete ich meine Firma FILZIS JONGLERIE. Seitdem verkaufe ich Jonglierartikel und andere Kostbarkeiten, versuche meine angeborene Bescheidenheit zu überwinden, trete als Jongleur auf und bringe ständig wildfremden Leuten das Jonglieren bei. Wem sollte ich auch sonst meine Produkte verkaufen?

Wie ich Jongleur wurde:
Um Theaterluft zu schnuppern, verbrachte ich drei Jahre am Kasseler Staatstheater, wo ich zum ersten Mal mit dem Jonglieren in Berührung kam. Aber das spielte damals für mich nur eine untergeordnete Rolle. Zuerst als Statist, später als Mitglied der hauseigenen Revuetruppe, versuchte ich mich in Tanz und Gesang. Hiermit erklärt sich auch, warum ich wieder nach Österreich zurückgekommen bin: In Deutschland hatte ich nämlich jegliche Karrierechance verspielt! Noch heute existiert die boshafte Redewendung in Hessen: "Oje, du singst ja wie Filzi!"
Als ich Deutschland wieder verließ, nahm ich nicht nur meine Frau mit nach Österreich, sondern auch die elementaren Grundkenntnisse der Balljonglage.
In Wien wurde das Jonglieren für mich wichtiges Mittel zum Abbau von beruflichen bedingten Stress. In Anzug und mit Krawatte schupfte ich meine Bälle in den Mittagspausen im Büro oder im Park und konnte erste Erfahrungen als "Gentleman-Jongleur" sammeln. Als Requisiten besaß ich vier Beanbags und drei Klostopfer die ich als Keulenersatz von meiner Frau bekommen hatte. Nicht, daß sie mich lächerlich machen wollte; es gab damals einfach in ganz Wien keine Keulen! Die vielen blauen Flecke, die ich beim Training davontrug bescherten mir nicht nur eine saubere Grundtechnik, sondern zu Weihnachten auch drei gebrauchte, kurze Keulen. Auch wenn ich heute nur lächelnd daran zurückdenke, damals waren es die tollsten Keulen der Welt!
Zu jener Zeit begann auch die Zusammenarbeit mit Klaus Göschl, die wir bis zum heutigen Tag fortgesetzt haben. Er lehrte mich nicht nur die Grundbegriffe des Passings, die er damals schon (als Mitglied der Strassentheatergruppe "Schockerlinge") beherrschte, sondern prägte auch sehr stark meinen Weg als Performer und Artist. Er zeigte eine Engelsgeduld, als ich immer und immer wieder beim 3-3-10 Passing den selben Fehler machte. (" ..und 2, und 3, shower.., macht nichts, wir probieren es so lange bis es klappt.."). Wir arbeiten noch immer zusammen und haben gemeinsam viele wunderschöne Auftritte erlebt, aber auch gemeinsame Niederlagen erlitten. (Das ist natürlich längst Vergangenheit! Wer dazu Gelegenheit hat, sollte einen von uns einmal unter dem Stichwort "Prottes" ansprechen)

 

 
 
HOME